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Funkhaus Grünau

28.12.2022
Julius Helfer *
Erste Hanseatische Projektmanagement GmbH
Regattastraße 277, 10559 Berlin

Funkhaus Grünau, Regattastraße 277, 10559 Berlin
Funkhaus Grünau, Regattastraße 277, 10559 Berlin

Das 1929-30 als Bootshaus der Danatbank in Backstein-Expressionismus direkt am Ufer des Langen Sees errichtete Gebäude des Architekten Otto Zbrzezny wurde unter der Nr. 09045637 in die Denkmalschutzliste Berlin aufgenommen.

1947 bis 1956 diente der Gebäudekomplex dem staatlichen Rundfunk der sowjetischen Besatzungszone und später der DDR als Funkhaus. Unter dem heute bekannteren Namen „Funkhaus Grünau“ saßen hier verschiedene, teils geheime, Radiosender, danach diente es als Bildungseinrichtung im Bereich der Rundfunktechnik und als Proberaum des Fersehballetts. Nach der Wende wurde es hauptsächlich, bis zu dessen Insolvenz 2007, von einem Bildungswerk genutzt.


2008 kaufte die „Erste Hanseatische Projektmanagement GmbH“ (EHP) das Haus für ca. 655.000 Euro, seitdem ist nichts geschehen. In Verhandlungen forderte die Gesellschaft zuletzt etwa 10 Mio. Euro für das stark sanierungsbedürftige Gebäude. Dabei ist durch die klare Formulierung im Bebauungsplan, der auf dem Gelände eine Wassersportnutzung vorschreibt, eine solche Preiserwartung betriebswirtschaftlich nicht im Entferntesten begründbar. Dessen ist sich wohl inzwischen auch der Investor bewusst, welcher kein sichtbares Interesse an einer nachhaltigen Belebung des Grundstücks zeigt. Kalkuliert wird hier scheinbar auf eine ähnliche Entwicklung wie beim nur wenig entfernten „Gesellschaftshaus“ und „Riviera“ oder auf einen kompletten Verfall des Gebäudes und damit Unwirksamwerden des Denkmalschutzes.


Der Professor der TU Hamburg, Thomas J.C. Matzen, welcher auf einem am Nachbarzaun befestigten Transparent als Eigentümer genannt wurde, stritt dies zwar teilweise gegenüber der Presse ab, das könnte aber auch mit der ungewollten Aufmerksamkeit durch diese öffentliche Nennung seines Namens mit Telefonnummer, gegen die er gerichtlich vorging, als an den tatsächlichen Besitzverhältnissen liegen.


Einem Artikel des Tagesspiegel vom 28.12.2022 zufolge ist die EHP jedenfalls Eigentümerin und diese zu 100% von der „Thomas J.C. Matzen GmbH“ geführt, deren Geschäftsführer Thomas J.C. Matzen ist. Das Landesdenkmalamt gibt dem Tagesspiegel zu Protokoll, dass es „kontinuierlich im Kontakt mit den Eigentümern“ stehe und es „regelmäßig gemeinsame Termine vor Ort“ gebe. „Das Gebäude sei sowohl gegen den weiteren Verfall als auch gegen das Eindringen von unbefugten Personen gesichert und der Eigentümer habe bisher alle Anordnungen zeitnah umgesetzt. Für eine Enteignung fehle weiterhin die Rechtsgrundlage.“


In einer Pressemeldung der TU Hamburg zur Übergabe der Ehrendoktorwürde für „Pionierarbeit auf dem Gebiet des Management-Buy-Outs sowie seine Verdienste um den studentischen und wissenschaftlichen Nachwuchs“ hieß es im Oktober 2014: „Prof. Matzen ist auf dem Gebiet der Management-Buy-Outs ein Pionier im wirklichen Sinne des Wortes. Er ist Mitte der 80er Jahre in Neuland aufgebrochen. Er hatte vor, mit einem Sack Eigenkapital – sprich: mit einem Fond – und mit viel Bankfinanzierung – sprich: Leverage – im Zusammenwirken mit dem Management mittelständische Unternehmen zu kaufen, sie durch intensive Betreuung in ihrem Unternehmenswert zu steigern und sodann mit Erfolg, wenn möglich über die Börse zu verkaufen.“


Nun: im Falle des denkmalgeschützten Funkhauses Grünau soll sich die „intensive Betreuung“ wohl auch noch irgendwann für die GmbH auszahlen – auf Kosten des Denkmals, das durch Leerstand weiter verfällt.


2021 wurde ein Antrag auf Enteignung nach §17 Denkmalschutzgesetz Berlin gestellt, der hier mit einer Petition zur Rettung des Baudenkmals unterschrieben bzw. geteilt werden kann:
https://www.change.org/p/petitionsausschuss-des-abgeordnetenhauses-von-berlin-enteignungsantrag-zur-rettung-des-denkmals-funkhaus-grünau


Weitere Informationen:
https://kulturerbenetz.berlin/rote-liste-objekt/?id=12



* Name geändert