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15.10.2020
Theresa Keilhacker
Axa Konzern AG. Mieter: Galeria Karstadt Kaufhof mit Karstadt Sports, Signa-Holding
Joachimsthaler Straße 5, Ecke Kantstraße, 10623 Berlin

Karstadt Sport Joachimsthaler Straße 5, Berlin
Galeria Karstadt Kaufhof mit Karstadt Sports

Die Karstadt-Filiale in der Brandenburger Straße in Potsdam gehört inzwischen einem Londoner Investmentmanagement-Unternehmen, die Karstadt-Sport-Filiale in der Joachimsthaler, Ecke Kantstraße in Berlin einem Versicherungskonzern. Diese fragwürdigen Eigentumsverhältnisse gehen auf den fatalen Verkaufstrend des Bielefelder Managers Thomas Middelhoff zurück, der in den 2000er Jahren die Kaufhäuser verkaufte (dabei selbst kräftig mit verdiente) und die Karstadt-Filialen zu abhängigen Mietern machte, die teuer von fremden Investoren zurückmieten (und dabei teilweise pleite gehen) mussten.


Das mit Klinker-Rauten verzierte Gebäude in der Joachimsthaler, Ecke Kantstraße wurde ursprünglich als „Bilka“-Billigkaufhaus errichtet und ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles der Nachkriegsmoderne, zu dem auch das berühmte Kranzler Eck am Ku‘Damm mit seiner charakteristischen Rotunde gehört. Die 50ger Jahre Architektur wurde nach der Wende durch einen recht selbstbewussten 16-geschossigen Glas-Hochhausriegel des Deutsch-Amerikanischen Architekten Helmut Jahn im hinteren Teil des Grundstücks ergänzt.


Obwohl die Mitarbeiter*innen große Plakate mit „Wir wollen bleiben!!!“ in die Schaufenster ihrer Karstadt-Sport-Filiale hingen, die von zahlreichen Passanten mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wurden, schloss das traditionsreiche Sportkaufhaus am 12. Oktober 2020 endgültig seine Pforten.


Das Kranzler Eck mit „Bilka“-Karstadt-Sport-Filiale gehört dem französischen Versicherungskonzern Axa und einem norwegischen Staatsfonds, dessen Sprecherin Ursula Roeben betonte, dass die Kaufhauskette von Karstadt und Kaufhof, die zur schillernden SIGNA Holding des Österreichers René Benko gehört, „bereits einen historisch niedrigen Mietzins gezahlt habe“, der „circa 20 Prozent unter dem marktüblichen Niveau einer Top-Retail-Lage Berlins lag“. Angeblich hat die SIGNA Holding „sämtliche Angebote ohne weitere Verhandlungen abgelehnt“.


Gerade wurde beim Nachwuchswettbewerb des informellen Netzwerks der Plattform Nachwuchsarchitekt*innen „Stadt im Wandel – Stadt der Ideen“ ein nachhaltiger Paradigmenwechsel hinsichtlich der „TRANSFORMATION KAUFHAUS“ mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Vielleicht regt die Gewinnerarbeit von Wenzel Meyer die Protagonisten dazu an, neue Wege zu beschreiten und das denkmalgeschützte „Bilka“-Haus zu einem nützlichen Re-Use-Kaufhaus umzugestalten, das auch Menschen mit kleinem Geldbeutel nachhaltig shoppen lässt.


Siehe auch Artikel:
Kurfürstendamm 229-231
Hermannplatz 5-10