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24.02.2021
Theresa Keilhacker
unbekannt, Mieter: Bezirk Mitte
Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin

Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin
Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin

„Die Bruno-Lösche-Bibliothek wird als außerschulischer Bildungsort von sehr vielen Familien genutzt. Der Bedarf an Angeboten der Sprachbildung und Leseförderung ist hoch und steigt weiter. Die beengte räumliche Situation in der Bibliothek lässt jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche zu. Im Rahmen des Projekts „BuKi – Bildung im Kiez“ soll ein ausrangierter Bücherbus als attraktiver, zusätzlicher Veranstaltungsraum dienen. Kinder und ihre Eltern erleben, wie der „Bus der vielen Möglichkeiten“ in eine multifunktionale Kreativwerkstatt verwandelt wird. Hier wird experimentelles und partizipatives Lernen ganz Großgeschrieben. Im Bus werden zusätzlicher Arbeits- und Lernplätze geschaffen und neue Lernformate angeboten. Dieser Kreativraum ermöglicht auch unter Einbeziehung digitaler Angebote) eine Verstärkung der Programmarbeit. Die Zielgruppen sind Kitakinder, Grundschulkinder und ihre Eltern“, heißt es auf der Website der Stadtbibliothek Mitte.


90.800 € Förderung werden im Zeitraum vom 01.10.2019 – 30.09.2022 als Zuwendung aus Mitteln der Europäischen Union zur Förderung der regionalen Entwicklung (EFRE) der Förderperiode 2014-2022 im Rahmen des Programms „Bibliotheken im Stadtteil II“ zur Verfügung gestellt. Das Bezirksamt Mitte von Berlin ko-finanziert das Projekt mit weiteren 90.800 €. Dennoch verfällt der Standort seit Jahren, denn er gehört nicht mehr dem Bezirk. Der Bezirk Mitte ist nur noch Mieter.


Die 1964 eröffnete Bücherei erhielt den Namen des 1963 verstorbenen Tiergartener Bezirksstadtrates für Volksbildung Bruno Lösche, unter dessen Verantwortung der Bau entstand. Er wurde von Magdalena und Gerd Hänska entworfen und errichtet. Gerade erfährt ihr Werk zunehmende Wertschätzung (siehe „Mäusebunker“).


Die Bruno-Lösche-Bibliothek verdient vom Landesdenkmalamt (LDA) eine Untersuchung, ob sie denkmalwürdig ist. Seit ihrer Eröffnung wurde sie nicht grundsaniert. Der Keller ist wegen Schimmelbefall komplett gesperrt. Allein die Kosten für die Sanierung des Kellers liegen bei über einer Million Euro. Dennoch ist die Stadtteil-Bibliothek ein wertvolles Zeitzeugnis aus der Ära des Brutalismus, das – ähnlich wie das Jugendzentrum in Moabit – einem hohen sozialen Anspruch gerecht wird und an diesem Standort extrem wichtig ist.


Ein typisches Merkmal der „Brutalisten“ war, dass sie oft einen Ort mit einer besonderen sozial-politischen Funktion „auszeichneten“. Dieser Ansatz sollte heute dringend die entsprechende Wertschätzung erfahren. Dazu gehört, dass man die notwendigen Instandhaltungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen in den Haushalt einstellt und die Bibliothek barrierefrei zugänglich macht. Dies hat der Bezirk Mitte offensichtlich bisher sträflich vernachlässigt.