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18.07.2022
Theresa Keilhacker
Land Berlin. Verwaltung: Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM)
Invalidenstraße 57-60 (außer Nr. 59), Alt-Moabit 5, Clara-Jaschke-Straße 5, 10557 Berlin


Ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs befindet sich in der Invalidenstr. 60 ein dunkelgrünes „Betonmonster“, das ehemalige Landeslabor Berlin/Brandenburg, jetzt „Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben (BBGes)“, dessen Mitarbeitende schon seit Mai 2019 ausgezogen sind. Seitdem stehen die Baukörper leer. Neben dem ehemaligen Landeslabor, befinden sich auf den landeseigenen Grundstücken die Berliner Landespolizei sowie die Fahrradstaffel, der unter Denkmalschutz stehende Urania-Saal und auf dem Privatgrundstück Invalidenstraße 59 der Aldi-Markt Nord.

Anfang 2020 fasste die Senatsverwaltung einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan 1-110, der das ca. 32.000 m² große Areal zwischen Invalidenstraße, Alt-Moabit und der Stadtbahntrasse umschließt. Benannt wird das neue Stadtquartier, das dort entstehen soll, nach dem Gelände des ehemaligen Universum-Landes-Ausstellungsparks (ULAP), der im Jahr 1879 mit der Berliner Gewerbeausstellung eröffnet wurde. „Schon in den ersten Jahren nach der Eröffnung wurde das Gebiet durch die Trasse der Stadtbahn (1882 Inbetriebnahme des Lehrter Stadtbahnhofs) durchschnitten und somit in den heutigen ULAP Park südlich der Trasse und das eigentliche Plangebiet nördlich der Trasse geteilt“, heißt es in den Auslobungsunterlagen für einen Wettbewerblichen Dialog, der im Mai 2021 mit einem digitalen Info-Abend & Ideenwerkstatt vor Ort „zur Aktivierung der Anwohner*innen“ begann.


Die brachten sich rege ein – u.a. mit der Eingabe: „Insbesondere regen wir an, im Sinne von Klimaschutz und Ressourcenschonung das Bestandsgebäude - so hässlich es mancher finden möge - unter Berücksichtigung grauer Energie in die weiteren Planungen einzubeziehen und einen städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb als vorgeschaltete Konzeptstudie für einen Architekturwettbewerb auszuloben.“


In der Aufgabenstellung für den Wettbewerblichen Dialog hieß es noch folgerichtig: „Im Sinne eines zukunftsfähigen Quartiers müssen innovative städtebauliche Ansätze einer klimagerechten Stadt gefunden und umgesetzt werden. Dabei geht es sowohl um bauliche, als auch technisch-planerische Ansätze, die Synergien einer zusammenhängenden Planung (SmartCity, Regenwassermanagement) und den kritischen Umgang mit der vorhandenen Vegetation.“ (Quelle: https://ulap-quartier.berlin.de/aufgabenstellung)


Seitdem durften eine eingeschränkte Anzahl von 5 Planungsteams in einer ersten Phase stadtplanerische Ideen und Entwürfe entwickeln - die Stadt Berlin hat allein fast 10.000 in der Architektenkammer Berlin eingetragene Mitglieder der Fachrichtung Stadtplanung, Architektur, Landschafts- und Innenarchitektur. Davon wurden in einer 2. Phase nur noch 3 Teams ausgewählt, ihre Entwürfe weiter zu vertiefen. Im Ergebnis zeichnete die Senatsverwaltung den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft ISSS RESEARCH ARCHITECTURE URBANISM aus Berlin gemeinsam mit bauchplan aus München/Wien aus. Das dunkelgrüne „Betonmonster“ soll nach ihrem Plan abgerissen werden. Da ohnehin eine Schadstoffsanierung erfolgen muss, bei der das Gebäude bis auf die Betonstruktur zurückgebaut wird, wäre hier bereits die Ausgangslage für eine umfassende Umnutzung und Transformation der Bausubstanz gegeben. Und damit viel Graue Energie und Ressourcen für den Klimaschutz gespart. Vielleicht führen die aktuell rasant steigenden Baukosten noch zu einem Umdenken bei der öffentlichen Auftraggeberin?