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29.10.2020
Theresa Keilhacker
Krieger Handel SE (vormals Krieger Grundstück GmbH)
Am Feuchten Winkel, 13187 Berlin

Am Feuchten Winkel, 13187 Berlin-Pankow

Direkt am S-Bahnhof Pankow Heinersdorf befindet sich ein prominentes Rundgebäude, seit 2009/10 in stetem Verfall, es gehört dem Möbelhändler Kurt Krieger (Möbel Höffner, Sconto, Möbel Walter, Möbel Kraft, etc.).


Er kaufte das Gelände rund um das ehemalige Betriebswerk Pankow, das 1996 stillgelegt wurde, mitsamt den Baudenkmalen, die zwischen 1893-1961 erbaut wurden; dem Rundschuppen, Ringlokschuppen, Drehscheiben, Gleisanlagen und Sozialgebäude Am Feuchten Winkel. Es soll ein neues Stadtquartier entlang der Bahntrasse und der Granitzstraße entstehen, von der Mühlenstraße im Westen über die Berliner Straße hinaus bis zum S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf und der Prenzlauer Promenade im Osten.


Nach zahlreichen Klagen ist der Möbelmilliardär Kurt Krieger am 17. Februar 2020 vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) zumindest mit seiner Vorstellung gescheitert, ihm sei es aus wirtschaftlichen Gründen nicht zuzumuten, ein denkmalgeschütztes Ensemble notdürftig zu schützen, wo er es doch sowieso abreißen möchte.


Starke Frau hinter dieser gerichtlichen Entscheidung ist Kerstin Lindstädt, Leiterin des Fachbereichs Denkmalschutz im Stadtentwicklungsamt des Bezirks Pankow von Berlin. Sie ist seit über 30 Jahren Denkmalschützerin und Verfasserin des Buchs „Berlin-Pankow – Aus der Orts- und Baugeschichte“. Ihre Begeisterung für kulturell und architektonisch wertvolle Substanz hat sie schon in der Kindheit gelebt: Sie ist selbst in einem Denkmal aufgewachsen und war früh handwerklich aktiv. Vor ihrer behördlichen Laufbahn hat sie als Maurerin gearbeitet und Hochbau studiert.


Nun müssen zumindest die Dächer der Baudenkmale instandgesetzt, sowie eine provisorische Bauwerksentwässerung stattfinden, damit der Verfall vorerst gestoppt ist. Sehen tut man davon bisher nichts, siehe Foto.


Der Stadtentwicklungs-Spekulations-Poker geht also weiter, sowohl vor dem Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht, als auch mit der Bezirksverwaltung Pankow, die dort eine Gemeinschaftsschule für 1500 Kinder bauen möchte.


Im März 2020 fand zum Bebauungsplan 3-60 eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit gemäß § 3 Absatz 1 des Baugesetzbuches statt. Parallel erfolgte die Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange. Danach soll ein sog. „Konkurrierendes städtebaulich-architektonisches Workshopverfahren zur Entwicklung eines Masterplans für das neue Stadtquartier Pankower Tor“ beginnen.



Nachträge


12. August 2021
Aus 6 konkurrierenden Teams wählte die Jury die Planerteams um „03 Architekten“ und „Nöfer Architekten“ aus und schickte sie in eine weitere Arbeitsphase, um dann in der finalen Jurysitzung am 12. August 2021 den Sieger zu küren: Nöfer und CKSA l Christoph Kohl Stadtplaner Architekten


9. Februar 2022
Am 9. Februar 2022 um 18 Uhr wurden die Bürger*innen von der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey persönlich zum digitalen Bürgerforum begrüßt und der aus dem Workshopverfahren weiterentwickelte Masterplan und die Beteiligungsmöglichkeiten im Bebauungsplanverfahren vorgestellt.


Ob angesichts dessen das „Leben, Einkaufen und Arbeiten im neuen Stadtquartier Pankower Tor“ bald losgehen und dabei der Denkmalschutz seine Berücksichtigung finden wird, werden die nächsten Jahre ihrer Amtszeit zeigen.