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Rieckhallen

27.04.2020
Andreas Barz
CA Immo AG (vormals Deutsche Bundesbahn), Mieter*in: Friedrich Christian Flick Collection und Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

Rieckhallen, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin-Mitte
Rieckhallen, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin-Mitte

Nachdem nun auch der Hamburger Bahnhof mit den Rieckhallen – Museum für Gegenwart – durch eine fatale öffentliche Immobilienpolitik in der Vergangenheit gefährdet scheint, sollte ernsthaft die Nutzung von „Mäusebunker“ und „ehemaligem Institut für Hygiene und Mikrobiologie“ als Zentrum der Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössischer Kunst geprüft werden. Zumal beide Grundstücke sich in Landesbesitz befinden, gut erreichbar sind und dem Berliner Südwesten einen Kunststandort zurückgeben könnten, der mit der Verlagerung der Dahlemer Sammlungen weitgehend verloren ging. Asbestbelastung hin oder her. Das ist erneuerbar! Daher Mut zu Visionen, gerade in Krisenzeiten. Siehe auch: „Rettet den Mäusebunker und das ehemalige Institut für Hygiene und Mikrobiologie!


Historie
(Quelle: http://www.fcflick-collection.com)
Den um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen privaten Bahnstrecken, die keilartig in den Stadtkern vordrangen und in Kopfbahnhöfe mündeten, war nur eine kurze Geschichte beschieden. Der spätklassizistische Hamburger Bahnhof wurde bereits 1884, noch nicht mal 40 Jahre nach seiner Entstehung, stillgelegt und ab 1906 als Bau- und Verkehrsmuseum genutzt. Die als Folgereinrichtungen gebauten Lager- und Speditionshallen überlebten wirtschaftlich ohne den Hamburger Bahnhof, auch wenn etliche Kleinspediteure nach und nach das Feld räumen mussten. Schließlich übernahm die Firma Rieck die gesamte, in ihrer Nord-Süd-Ausdehnung schier unübersehbare Halle. In den 1960er Jahren wurde ein relativ leichter Neubau auf das kompakte Kellerfundament gesetzt. Zur Zeit der deutschen Teilung befand sich die Halle in einer Randlage an der Peripherie Westberlins. Mit der deutschen Einheit aber rückte sie unversehens in die Mitte der Stadt und der nur wenige hundert Meter entfernte Zentralbahnhof Berlins, der Lehrter Hauptbahnhof, signalisiert seit 2005 eine radikale Umwertung des gesamten Gebietes.


2001 wurde die Halle frei und Eugen Blume, der Leiter des Hamburger Bahnhofes, fasste sie für Ausstellungen ins Auge. Bereits 2002 erlebte das flache, 330 m lange Gebäude seine Premiere als Kunstraum mit einer surrealen Videoinstallation von Julian Rosenfeldt. Im südlichen Teil mieteten sich die Künstler Tacita Dean, Olafur Eliasson und Thomas Demand ein, die dort auch nach dem Einzug der Friedrich Christian Flick Collection ihre Ateliers hatten. Die Umbauarbeiten leiteten die Berliner Architekten Kühn Malvezzi.


Am 9. Januar 2003 unterzeichneten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Staatlichen Museen zu Berlin und Friedrich Christian Flick einen Vertrag, der die Friedrich Christian Flick Collection von 2004 an für mindestens sieben Jahre nach Berlin brachte. Als dann mit der Rieckhalle, einer alten Speditionshalle direkt neben dem Hamburger Bahnhof, eine ideale Ausstellungsstätte gefunden worden war, einigte man sich schnell auf die Kernpunkte des Vertrages: Friedrich Christian Flick stellt die Sammlung kostenlos zur Verfügung und übernimmt die Baukosten von mindestens 7,5 Millionen Euro. Die laufenden Kosten übernimmt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Kuratiert wurde die Ausstellung von Eugen Blume, Leiter des Hamburger Bahnhofes, und seinem Team.


Friedrich Christian Flick sah seine Sammlung zeitgenössischer Kunst, die er „ins 21-igste Jahrhundert hineintreiben“ will, als ideale Ergänzung zu den Berliner Sammlungen Marx und Marzona, die Werke von Beuys, der Pop-art und der Arte Povera beinhalten. Flick: „Die Kombination dieser drei Sammlungen, verbunden mit der Picasso-Matisse-Klee-Sammlung Berggruens, wird Berlin einen besonderen Rang in der Reihung der Kulturhauptstädte dieser Welt geben“. Vor allem aber glaubte Friedrich Christian Flick mit Berlin den idealen Ausstellungsort gefunden zu haben. Flick: „Berlin ist noch verwirbelt, hat sich noch nicht gesetzt. Insofern ist die Kunst, die ich sammle, vergleichbar mit dieser Stadt. Sie ist zerrissen, vernarbt, weniger schön als interessant, voller Widersprüche aber sehr intensiv“.


Nach sieben Jahren wurde im Frühjahr 2011 der Vertrag zwischen der Friedrich Christian Flick Collection und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf weitere zehn Jahre bis mindestens 2021 verlängert. Dieser Vertrag scheint nun Geschichte zu sein, siehe Tagesspiegel vom 25. April 2020 - „Aus nach 17 Jahren: Friedrich Christian Flick zieht seine bedeutende Sammlung von Gegenwartskunst aus Berlin ab“


Siehe auch folgende Beiträge:
Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin, Krahmerstr. 3, Ecke Hindenburgdamm, 12207 Berlin und Mäusebunker, Krahmerstr. 6, 12207 Berlin.