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28.02.2020
Theresa Keilhacker
Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin (vormals Freie Universität Berlin, FU), Hausverwaltung: Charité CFM Facility Management GmbH
Krahmerstr. 3, Ecke Hindenburgdamm , 12207 Berlin

Krahmerstr. 3, Ecke Hindenburgdamm, 12207 Berlin
Krahmerstr. 3, Ecke Hindenburgdamm, 12207 Berlin

Das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Freien Universität Berlin wurde im Rahmen einer Planung der Freien Universität Berlin (FU) von den Architekten Fehling+Gogel  als Ergänzungsbau zum Benjamin-Franklin-Klinikum 1964 konzipiert und ab 1966 zusammen mit Günter Ssymmank entworfen, sowie 1974 fertig gestellt. Das Institut ist –wahrscheinlich auch durch den Einfluss Günter Ssymmanks, der von 1955–1957 Assistent bei Hans Scharoun war und 1964 die Leitung des Instituts für Industrielles Gestalten an der TU Berlin übernahm – erkennbar von Organischem Bauen beeinflusst.


Den Architekten Fehling+Gogel wird ein breites Werk bedeutender Bauten zugeschrieben, die prägend für die Nachkriegsmoderne in Berlin sind und teils spätexpressionistische Formen aufweisen. Prominente – in der Nachwendezeit akut von Verwertungsdruck bedrohte Bauwerke – sind der Berlin-Pavillon im Hansaviertel (1956–1957), der nach dem skandalösen Verkauf durch den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin im Jahr 2003 durch einen Drive-In Burger King genutzt wird und das seit 1991 denkmalgeschützte Studentendorf Schlachtensee (1956–1959, 1962–1964), das nur dank einer gemeinwohlorientierten Genossenschaft, vor dem 2001 drohenden Abriss und Veräußerung durch den Berliner Senat, gerettet werden konnte.


Nun also ist das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Freien Universität Berlin dran, das heute ein Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin beherbergt und durch mangelnde Instandhaltung und Schlechtreden ebenfalls von Abriss bedroht ist. Bis heute steht dieses baukünstlerisch einzigartige Bauwerk nicht unter Denkmalschutz. Und das, obwohl fachliche Gutachten die Denkmalwürdigkeit bescheinigen. Der Landeskonservator von Berlin zögert – wie schon bei der dringend notwendigen Unterschutzstellung des Jugendzentrums Rathenower Str. 15-18 – wartet und wiegelt ab. Sein Chef Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, schweigt dazu höflich. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, mit seiner Senatskanzlei verantwortlich für Wissenschaft und Forschung und damit für die Charité-Pläne - schweigt ebenfalls öffentlich.


Seit 2003 sind die medizinischen Fakultäten von Humboldt- Universität (HU) und Freier Universität (FU) unter einem Dach vereinigt: „Charité – Universitätsmedizin Berlin einer „Körperschaft des Öffentlichen Rechts“ des Landes Berlin. Seit 2006 wurden jedoch die Bereiche Material- und Versorgungswirtschaft sowie Bau und Technik der Charité, das sog. Facility Management, in eine eigens dafür gegründete GmbH ausgelagert. Auch wenn es Bestrebungen unter rot-rot-grün gab, diese GmbH zu rekommunalisieren, so herrscht dennoch leider bis heute der Profitdruck vor.


Wie kann man da die politisch Handelnden in Berlin, das überregional bekannt und Pilgerstätte ist für seine Bauten der Moderne, von der Wirkmächtigkeit von Kultur versus Kapital überzeugen?


Nachtrag vom 20. April 2020: Inzwischen gibt es einen Aufruf zur Rettung des Mäusebunkers, sowie des ehemaligen Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, mit der Bitte um Unterzeichnung:
https://www.change.org/p/michael-müller-rettet-den-mäusebunker-und-das-ehemalige-institut-für-hygiene-und-mikrobiologie


Siehe auch folgende Beiträge:
Mäusebunker, Krahmerstr. 6, 12207 Berlin und Rieckhallen, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin.