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Mäusebunker

28.02.2020
Theresa Keilhacker
Charité - Universitätsmedizin Berlin (vormals Freie Universität Berlin, FU), Hausverwaltung: Charité CFM Facility Management GmbH
Krahmerstr. 6, 12207 Berlin

Mäusebunker, Krahmerstr. 6, 12207 Berlin
Mäusebunker, Krahmerstr. 6, 12207 Berlin

Am 27. Januar 2020 beantwortete Staatssekretär Steffen Krach in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei - Wissenschaft und Forschung – die schriftliche Anfrage der beiden Abgeordneten Adrian Grasse (CDU) und Christian Goiny (CDU) zur Zukunft des „Mäusebunkers“ (vormals Zentrale Tierlaboratorien der FU) – einer Forschungseinrichtung für experimentelle Medizin am Campus Benjamin Franklin - wie folgt: „Weil das Grundstück für die Bedarfe der Wissenschaft weiterhin als erforderlich gesehen wird, war bereits mit der Entscheidung für einen Ersatzneubau der Abriss des für eine sehr spezifische Nutzung errichteten sowie inzwischen abgenutzten und schadstoffbelasteten Bestandsgebäudes vorgesehen. Eine mögliche und zudem wirtschaftliche Alternativnutzung des Bestandsgebäudes wird für die Bedarfe der Wissenschaft nicht gesehen.“


Was hier im Amtsdeutsch recht verschachtelt daherkommt, bedeutet im Klartext die Zerstörung eines weiteren prominenten Stellvertreters der Brutalismus-Ära, die im 3. Quartal 2020 real werden soll, denn ein Abrissantrag wurde bereits 2017 gestellt.


Ressourcensparen in Zeiten von Klimakrise, Erhalt kultureller Zeitzeugnisse, Kreativität in der baulichen Anpassung aktueller Nutzungsansprüche – das scheinen alles Fremdwörter für die „Leitung Baudienststelle und Strategische Zielplanung“ der Charité zu sein. Auch der Landeskonservator von Berlin zögert – wie schon bei der dringend notwendigen Unterschutzstellung des Jugendzentrums Rathenower Str. 15-18 – wartet und wiegelt ab, bis sich der Druck von der Straße erhöht. Leider trotz #SOS-Brutalismus-Rufen aus Fachkreisen, die seit vielen Jahren bekannt sind. Das kulturelle Gedächtnis Berlins erodiert zusehends unter der Bauwut einer wachsenden Stadt, die alles über Bord wirft, was sich sperrig in den Weg stellt.


Kommt das Jugendzentrum Rathenower Str. 15-18 eher menschenfreundlich daher, stellt sich der Mäusebunker als Bau der Zentralen Tierlaboratorien der FU viel abweisender in seiner radikalen Gestaltung dar. Das Projekt Jugendzentrum entstand über einen Zeitraum von 1968–1978. Die Architektengemeinschaft NGP (Neumann/ Grötzebach/ Plessow) wurde 1968 zu einem engeren Bauwettbewerb eingeladen, für den sie sich 1967 in einem Ideenwettbewerb qualifiziert hatten. Ihre baukünstlerische und soziale Utopie realisierten sie sichtbar von internationalem Pritzker-Preis-Träger Arata Isozaki, sowie englischen Vertretern der Brutalismus Ära inspiriert als inhaltlich und baulich ausgewogene Anordnung verschiedener Einrichtungen: Kinder- und Jugendwohnheim, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung, Kita und Grundschule entstanden auf demselben Gelände. Eine ähnlich lange Planungs- und Bauzeit war dem Gegenentwurf dazu beschieden: 1967–1970 nach Entwürfen der Architekt*innen Magdalena Hänska/ Gerd Hänska/ Kurt Schmersow begonnen, erfolgte die Ausführung mit Unterbrechungen in zwei Bauphasen 1971–1975 und 1978–1981.


Leider dauerte die kreative Zusammenarbeit von Magdalena Hänska mit ihrem Mann Gerd nur bis zum Entwurf der Zentralen Tierlaboratorien an. Das Gespann Magdalena und Gerd Hänska entwarf beispielsweise auch die Bruno-Lösche-Bibliothek in Moabit (1963–1964), die ebenfalls immer wieder von „höheren Verwertungsinteressen“ bedroht ist. Dieser Logik scheint das Land Berlin selbst unter rot-rot-grüner Regierung weiter zu folgen.


Schriftliche Anfrage vom 3. Januar 2020: „Zukunft des „Mäusebunkers“ am Campus Benjamin Franklin“.


Nachtrag vom 20. April 2020: Inzwischen gibt es einen Aufruf zur Rettung des Mäusebunkers, sowie des ehemaligen Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, mit der Bitte um Unterzeichnung:
https://www.change.org/p/michael-müller-rettet-den-mäusebunker-und-das-ehemalige-institut-für-hygiene-und-mikrobiologie


Siehe auch folgende Beiträge:
Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité Berlin, Krahmerstr. 3, Ecke Hindenburgdamm, 12207 Berlin und Rieckhallen, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin.