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Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion

12.05.2020
Philipp Dittrich
Land Berlin
Cantianstraße 24, 10437 Berlin

Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, Cantianstraße 24, 10437 Berlin

20.000 neue für 20.000 alte Plätze


Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Berlin-Prenzlauer Berg wurde Anfang der 1950-er Jahre direkt an der Sektoren- beziehungsweise Staatsgrenze in einen Trümmerschutthügel eingebettet. So verläuft die mittlerweile denkmalgeschützte Hinterlandmauer unmittelbar hinter der Gegentribüne und trennt heute das Stadion vom umtriebigen Mauerpark.


1987 errichtete die DDR ihrem Renommierklub und Oberliga-Serienmeister zur 750-Jahr-Feier Berlins eine neue Haupttribüne. Während die gleichzeitig entstandenen Flutlichtmasten aus geknickten Stahlrohren eine stadtbildprägende Wirkung entfalten, wird das von einem tschechischen Industriebaukombinat errichtete Tribünengebäude meist für einen Bau der 1970er-oder gar späten 60er-Jahre gehalten. Der quaderförmige Baukörper aus rotem Opakglas mit dem oberhalb einer blassgelben Glasfuge scheinbar schwebenden, gefalteten Dach ist architektonisch unspektakulär, aber überzeugender als manche Berliner Großsportstätte jüngerer Zeit.


Im Rahmen der grandios gescheiterten Olympiabewerbung Berlins wurde der Jahnsportpark in den 90er-Jahren um die Max-Schmeling-Halle ergänzt. Die Architekten Dietz Joppien gewannen diesen Wettbewerb, indem sie abweichend von der Auslobung die Halle nördlich des Stadions in den verlängerten Hügel einbetteten.


Das Land Berlin plant nun eine Umgestaltung des Sportparks zu einer barrierefreien Sportanlage mit Wettkampfeignung für Inklusionssport. Warum das Stadion, das vor zwei Jahren noch den Para Leichtathletik-Europameisterschaften „beste Wettkampfbedingungen“ bot, unbedingt abgerissen werden soll, ist unklar.


Wie nachhaltig ist der „Rückbau“ eines 33 Jahre alten Baus? Wird der Trümmerschutthügel abgeräumt, wäre auch das Gestaltungskonzept der Max-Schmeling-Halle nicht mehr nachvollziehbar. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport verstrickt sich in Widersprüche hinsichtlich der künftigen Stadionnutzung. In Reaktion auf einen offenen Brief einer Bürgerinitiative, deren Petition noch mitgezeichnet werden kann, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen nun immerhin die Abrisspläne sistiert und eine transparente, förmliche Bürgerbeteiligung versprochen. Baumfällungen und Abrissmaßnahmen sollen erst nach einem Gestaltungswettbewerb erfolgen.


Der vollständige Artikel „Wegwerfgesellschaft“ ist hier publiziert:
https://www.marlowes.de/wegwerfgesellschaft