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27.10.2018
Adrian Garcia-Landa und Christoph Trautvetter
Taliesin I, II, III GmbH, Blackstones Fonds European Core, Cayman Inseln, Hausverwaltung: Core Immobilien GmbH
Mehringdamm 51, 10961 Berlin



Foto oben: In diesem Gebäude auf den Cayman Inseln ist Blackstone European Core + Fonds gelagert. Somit auch die 62 Gebäude die mal Taliesin gehörten…(Bildnachweis: Adrian Garcia-Landa), Video: Über „Share Deals“ (Copyright Filmfabrik)


Vor etwa 10 Jahren kam der Immobilien-Investor Taliesin aus Jersey nach Berlin und führte in der verschlafenen Hauptstadt angelsächsische Finanzmethoden ein: von aggressiver Steuervermeidung bis zur Andockung seines Portfolios an Finanzmärkte, wir berichteten dazu im Tagesspiegel am 14.12.2016. Jetzt verkaufte er sein Paket an den größten Immobilienfonds weltweit, Blackstone. Der Fall veranschaulicht lehrbuchartig Folgen eines rein auf Rendite ausgerichteten Wohnungsmarkts mit globalisiertem Streubesitz und wie die Trägheit von Steuerpolitik und -behörden einen gerechten Ausgleich zwischen Gewinnern und Verlieren verhindern.


Kann man Immobilien als Grundlage für finanzielle Operationen nehmen? „Of course!“ meinte 2005 der Immobilien-Investor Taliesin, mit Sitz in Jersey. Sechs Briten mit Vergangenheiten als Hedge-Fonds Manager, Finanzexperten und Immobilienmanager sollten exemplarisch zeigen, dass Immobilien ein «Underlying» sein können. Oder der «Basiswert», denen Finanztransaktionen zu Grunde liegen. Was zählt, ist wie viel man am Ende verdient hat. Bei Taliesin war das sehr viel.


2005 wurde ein Firmennetz über Europa gespannt, mit Filialen entlang der steuerlich strategischen Achse Jersey-Zypern-Deutschland. 2006 kaufte man erste Gebäude, bis 2012 wuchs das Portfolio auf 62 Gebäude an, 116.000 Quadratmeter, fast alle davon in Berlin. Die Mieteinnahmen in Deutschland wurden als Rückzahlungen von firmeninternen Krediten verbucht, die über Zypern in Jersey landeten - von Steuern unbefleckt. Geld holte man sich an der Londoner Börse und bei Banken. Taliesin kaufte fast alle seine Immobilien für weniger als 1.000 Euro den Quadratmeter, 2018 wurden sie auf 3.276 Euro geschätzt und verkauft. Somit hatte der Investor präzise die goldene Dekade der Hauptstadt erwischt. Die krönte er mit einem sauberen Paketverkauf, auf Englisch, «a neat exit en bloc», so Taliesin-Chef in einem Interview. Über die ganze Laufzeit verteilt verdienten die Taliesin-Manager 83 Millionen Euro, die über die Welt verstreuten Aktionäre verfünffachten ihren Einsatz. Durch den Verkauf an Blackstone wurden die Besitzverhältnisse noch komplexer. Die US-Firma verwaltet einen Immobilienfonds und wandelt die Gebäude in verzinste, strukturierte Wertpapiere um. Auf Englisch «asset backed securities». Das Finanzinstrument, mit dem die Finanzkrise möglich wurde. Durch eine Verkettung von ca. 10 bis 15 Firmen lagern die Berliner Gebäude in Blackstones Fonds European Core und auf den Cayman Inseln. Von dort führt die Fährte über Delaware zum Sitz von Blackstone in New York. Der Investment-Verwalter verspricht seinen Anlegern Renditen von 12-16 Prozent jährlich, die erwirtschaftet werden müssen. Derzeit zahlen Blackstones kürzlich erworbene Mieter*innen 7,9 Euro pro Quadratmeter. Um eine Rendite von 10 Prozent zu erreichen, müsste der Wert auf 14 Euro steigen.


Dank „Share Deal“ (siehe Videoclip) haben weder Taliesin noch Blackstone die in Berlin fällige Grunderwerbsteuer gezahlt. Allein bei Blackstone waren das 23 Millionen Euro. Durch einen blinden Fleck im deutschen Steuergesetz entgehen dem Staat weitere 45 Millionen Euro Steuer durch diese Transaktion. Diesmal aber völlig legal. Laut Grundbuch gehören die Gebäude immer noch den Zweckgesellschaften, die Taliesin gegründet hat. Auch wenn Blackstone weiterverkauft ändert sich da nichts. Egal was in den oberen Etagen des Finanzkonstruktes passiert, die unteren Stockwerke - oder der Basiswert - bekommen es nicht mit. Die Musik spielt woanders - aber wo genau, ist schwer zu sagen.