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23.02.2021
Theresa Keilhacker
unbekannt, Mieter: Bezirk Mitte
Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin

Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin
Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin

„Die Bruno-Lösche-Bibliothek wird als außerschulischer Bildungsort von sehr vielen Familien genutzt. Der Bedarf an Angeboten der Sprachbildung und Leseförderung ist hoch und steigt weiter. Die beengte räumliche Situation in der Bibliothek lässt jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche zu. Im Rahmen des Projekts „BuKi – Bildung im Kiez“ soll ein ausrangierter Bücherbus als attraktiver, zusätzlicher Veranstaltungsraum dienen. Kinder und ihre Eltern erleben, wie der „Bus der vielen Möglichkeiten“ in eine multifunktionale Kreativwerkstatt verwandelt wird. Hier wird experimentelles und partizipatives Lernen ganz Großgeschrieben. Im Bus werden zusätzlicher Arbeits- und Lernplätze geschaffen und neue Lernformate angeboten. Dieser Kreativraum ermöglicht auch unter Einbeziehung digitaler Angebote) eine Verstärkung der Programmarbeit. Die Zielgruppen sind Kitakinder, Grundschulkinder und ihre Eltern“, heißt es auf der Website der Stadtbibliothek Mitte.


90.800 € Förderung werden im Zeitraum vom 01.10.2019 – 30.09.2022 als Zuwendung aus Mitteln der Europäischen Union zur Förderung der regionalen Entwicklung (EFRE) der Förderperiode 2014-2022 im Rahmen des Programms „Bibliotheken im Stadtteil II“ zur Verfügung gestellt. Das Bezirksamt Mitte von Berlin ko-finanziert das Projekt mit weiteren 90.800 €. Dennoch verfällt der Standort seit Jahren, denn er gehört nicht mehr dem Bezirk. Der Bezirk Mitte ist nur noch Mieter.


Die 1964 eröffnete Bücherei erhielt den Namen des 1963 verstorbenen Tiergartener Bezirksstadtrates für Volksbildung Bruno Lösche, unter dessen Verantwortung der Bau entstand. Er wurde von Magdalena und Gerd Hänska entworfen und errichtet. Gerade erfährt ihr Werk zunehmende Wertschätzung (siehe „Mäusebunker“).


Die Bruno-Lösche-Bibliothek verdient vom Landesdenkmalamt (LDA) eine Untersuchung, ob sie denkmalwürdig ist. Seit ihrer Eröffnung wurde sie nicht grundsaniert. Der Keller ist wegen Schimmelbefall komplett gesperrt. Allein die Kosten für die Sanierung des Kellers liegen bei über einer Million Euro. Dennoch ist die Stadtteil-Bibliothek ein wertvolles Zeitzeugnis aus der Ära des Brutalismus, das – ähnlich wie das Jugendzentrum in Moabit – einem hohen sozialen Anspruch gerecht wird und an diesem Standort extrem wichtig ist. Zu dem Gebäudeensemble der Bibliothek gehören auch entlang der Havelbergerstraße Senior*innenwohnungen, die bezahlbaren Wohnraum bieten.


Ein typisches Merkmal der „Brutalisten“ war, dass sie oft einen Ort mit einer besonderen sozial-politischen Funktion „auszeichneten“. Dieser Ansatz sollte heute dringend die entsprechende Wertschätzung erfahren. Dazu gehört, dass man die notwendigen Instandhaltungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen in den Haushalt einstellt und die Bibliothek barrierefrei zugänglich macht. Dies hat der Bezirk Mitte offensichtlich bisher sträflich vernachlässigt.


Der Bezirk Mitte sollte sich angesichts des baukulturellen Potentials dieses Gebäudeensembles in Moabit dringend um eine Kooperation, z.B. mit der Wüstenrot Stiftung bemühen, um Fördermittel für die benötige Sanierung zu akquirieren.



Nachtrag

22. Juni 2022
Muss die denkmalwürdige Bruno-Lösche-Bibliothek ausziehen und sich einen Neubau ausgerechnet mit der Staatsanwaltschaft teilen? Staatssekretär Dr. Torsten Wöhlert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa beantwortete die Schriftliche Anfrage Nr. 19 / 12280 zum Stand eines Neubauvorhabens für die Bruno-Lösche-Bibliothek in der Turmstraße 22 in Moabit wie folgt: "Der Bauzeitraum für den Hochbau ist ab 2025 und für voraussichtlich drei Jahre vorgesehen. Möglichkeiten zur Beschleunigung sind in der derzeitigen Phase nicht erkennbar.“ (…) "Es ist geplant, dass sich die Bruno-Lösche-Bibliothek auf dem Grundstück Räumlichkeiten mit der Staatsanwaltschaft teilt.“ (…) "Aufgrund einer grundsätzlich hohen Anschlussfähigkeit von Öffentlichen Bibliotheken an andere Einrichtungen der sozialen und kulturellen Grundversorgung sind Bibliotheken durchaus geeignete Partnerinnen für die Planung von Mehrfachnutzungsprojekten.“