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10.11.2023
Theresa Keilhacker
Landeseigenes Krankenhaus Reinickendorf (später Vivantes, dann Humboldt-Klinikum, dann Verkauf an landeseigene Gesobau etc.)
Oranienburger Straße 285, 13437 Berlin

Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin-Reinickendorf
Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin-Reinickendorf

Auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf, einem traumhaften Landschaftspark mit denkmalgeschützten Klinikgebäuden und eigenem U-und S-Bahn-Anschluss, möchte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU ein autofreies Wohnquartier mit 600 neuen Wohnungen für rund 1.200 Menschen errichten, davon die Hälfte sozial bezahlbar und barrierefrei. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2024 beginnen.


„Das Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik hat eine lange Geschichte, die 1880 mit der ersten Nervenheilanstalt Berlins begann. Bis 2006 war sie Standort einer psychiatrischen Klinik, zuletzt unter der Bezeichnung Vivantes Humboldt-Klinikum. So sind viele der Gebäude heute denkmalgeschützt (bzw. denkmalwürdig).


Die dunkle Seite des Areals geht zurück auf die Zeit des Nationalsozialismus. Denn die Klinik spielte eine zentrale Rolle bei der systematischen Ermordung von Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen.


So findet sich im Süden des Geländes sogar noch der alte Anstaltsfriedhof. Mittlerweile ist er ein Gedenkort und wird wie das Krankenhaus des Maßregelvollzugs auf dem Gelände verbleiben.“ 
Das berichtete am 21. November 2022 das investorenfreundliche Portal ,entwicklungsstadt.berlin‘ und ergänzte dazu: „Das 45 Hektar große Gelände im Bezirk Reinickendorf, im Norden der Hauptstadt, ist ein blühender und grüner Park mit altem Baumbestand – für Immobilienentwickler entsprechend attraktiv.“


Obwohl das Gelände baumbestanden ist, sowie zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude aufweist und solche, die nach einer Pro-Erhalt-Machbarkeitsstudie klimaschonend und ökonomisch vertretbar nachnutzungsfähig wären, setzt der Senat bzw. der Bezirk auf Baumfällungen zugunsten zahlreicher Neubauten und neu versiegelter Flächen. Dafür wird die Aufstellung eines Bebauungsplanes für nicht erforderlich und auch ein Wettbewerb nach RPW (Richtlinien für Planungswettbewerbe) für überflüssig gehalten. Ein graues Werkstattverfahren tut es auch. Anwohnerinteressen und deren Kritik werden beiseitegeschoben.


Insbesondere die „Sternhäuser“, als lichtdurchflutete Bettenhäuser (Haus 24 und Haus 25) vom berühmten Ehepaar Magdalena und Gerd Hänska entworfen und sensibel in ihre denkmalwürdige Umgebung mitsamt Baumbestand eingepasst, wären ohne Weiteres nach einer Schadstoffsanierung sanierbar und womöglich auch aufstockbar. Wie auch weitere Gebäude auf dem Gelände, die weniger prominent sind, teilweise leer stehen und vor sich hin bröckeln.


Warum erkennt die öffentliche Hand ihr Baukulturerbe nicht an und entwickelt dieses Potential nicht einfach behutsam weiter, statt es abzureißen?


Siehe auch

  • Perleberger Str. 33 (Ecke Havelbergerstraße), 10559 Berlin, mehr... 
  • Krahmerstr. 6, 12207 Berlin, mehr... 



Nachtrag

19. Dezember 2025 (Berliner Morgenpost)
Abriss droht – Hoffnung für Natur und „Sternhäuser“ wegen eines Käfers?, mehr...